Reisen in die Welt des Literaturtransfers: Ein neues Verständnis entwickeln

Ich möchte von einem anregenden Projekt berichten, das ich kürzlich begonnen habe. Es geht darum, ein neues Transferverständnis in den Literaturwissenschaften zu entwickeln. Klingt trocken? Ganz im Gegenteil! Lasst mich erklären, worum es ging und warum es so spannend war.

Der Startpunkt: Eine Idee aus Bremen

An der Universität Bremen wird intensiv an Transferstrategien gearbeitet. Die Idee ist, Wissen nicht nur innerhalb der Universitäten zu verwahren, sondern es aktiv in die Gesellschaft zu tragen. Dieses sogenannte „Transferverständnis“ soll nicht nur technologie- und wirtschaftsorientierte Projekte umfassen, sondern auch in den Geisteswissenschaften Fuß fassen. Und genau hier setzen meine Fragen an: Ich möchte ein breites Transferverständnis für die Literaturwissenschaften erarbeiten, das nicht nur theoretische und methodische Ansätze bietet, sondern auch praxisorientiert ist und international anknüpfbar bleibt.

Warum Transfer in den Literaturwissenschaften?

In Deutschland verabschieden sich die Universitäten zunehmend vom Image des Elfenbeinturms. Stattdessen betonen sie die „Third Mission“ – also ihre dritte Aufgabe neben Forschung und Lehre: den Transfer von Wissen und Technologie in die Gesellschaft. Doch während viele natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer schon weit fortgeschritten sind, hinken die Literaturwissenschaften oft hinterher. Warum? Die Umsetzung universitärer Transferstrategien gestaltet sich hier besonders komplex, weil die bestehenden Regeln und Praktiken oft nicht auf die Geisteswissenschaften passen.

Ein internationaler Ansatz

Um diese Zurückhaltung zu überwinden, möchte ich ein Rahmenkonzept entwickeln, das auf die spezifischen Bedürfnisse der Literaturwissenschaften zugeschnitten ist. Dazu gehört ein theoretisches Fundament, methodische Ansätze und best practice-Beispiele. Und das sollte nicht nur in Deutschland, sondern auch international funktionieren. Besonders spannend fand ich die Zusammenarbeit mit Frankreich – dank bestehender Bildungsabkommen ein idealer Partner. Die Universität Bremen und der Campus Nord für Frankreich & Frankophonie boten hierfür die perfekte Plattform, um zu starten.

Mein Plan: Intensive Forschung in Paris

Im Frühling 2024 verbrachte ich vier intensive Wochen im französischen Hochschulzentrum Paris. Durchgeführt habe ich über 20 Interviews mit Hochschulangehörigen und ihren Kooperationspartnern. Ziel war es, die strukturellen und individuellen Rahmenbedingungen für erfolgreiche Transferprojekte zu ermitteln. Ich wollte herausfinden, welche Mehrwerte und Herausforderungen es gibt, und diese Erkenntnisse sollten dann die Basis für zukünftige Transferkonzepte bilden.

Ergebnisse und Erkenntnisse

Die Vorarbeiten liefen bereits auf Hochtouren: Ich hatte Transferprojekte an deutschsprachigen Hochschulen systematisch erfasst und bereite einen Artikel für das Journal Acta Neophilologica vor. Während meines Aufenthalts in Paris konnte ich wertvolle Einblicke gewinnen und zahlreiche Interviews führen. Die Gesprächspartner waren offen und engagiert, was zu tiefgehenden und aufschlussreichen Gesprächen führte.

Dieser intensive Austausch hat mir gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen und Chancen in den verschiedenen Hochschulsystemen sind. Besonders beeindruckend war, wie kooperativ und offen die französischen Kolleg*innen waren. Die gesammelten Erkenntnisse werden sicherlich den Weg für zukünftige Kooperationen und Transferprojekte zwischen deutschen und französischen Hochschulen ebnen.

Ich freue mich darauf, die Früchte dieser Arbeit im Herbst in Lyon, Marseille und Bordeaux weiterzuverfolgen und hoffe, dass dieses neue Transferverständnis die Literaturwissenschaften bereichern wird.

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